Das, was von den letzten Tagen hängen geblieben ist, sind die unvergleichlichen Schlafplätze. Die Temperaturen geben es her, dass ich mein Zelt gar nicht mehr aufschlagen muss und irgendwie fehlt mir in letzter Zeit auch der Reiz am Zelten. Ich habe festgestellt, dass die Erfahrungen viel intensiver an die Nächte sind, wo ich nicht in meinem Zelt geschlafen habe.
So komme ich beispielweise vom Regen durchnässt und in lehmigen Matsch gehüllt ins kleine Hafenstädtchen Pirovac.
Touristische Übernachtungsmöglichkeiten haben seit Ende Oktober allesamt geschlossen, dennoch muss ich gewissermaßen hier bleiben, damit mein Zeug nicht noch mehr durchweicht. Am Hafenbecken entdecke ich einen großen Pavillion, der zu dem Café gehört, welches sich in der zweiten Etage des
Nebengebäudes befindet. Ich spreche mit den Mitarbeitern, ob ich es mir für die Nacht in ihrem Pavillion bequem machen könne.
Eigentlich kam ich mir in dem Moment recht bescheuert vor und musste selbst über meine Bitte schmunzeln. Das Schmunzeln greift jedoch über und sie gestatten mir nicht nur das Nächtigen, sondern geben mir auch noch einen Kaffee aufs Haus. Im Pavillion stelle ich mir dann aus Barhockern ein Bettchen
zusammen, worauf ich Isomatte und Schlafsack lege.
Der kommende Tag bleit zwar weitesgehend trocken, aber am Abend ist es ein aufziehendes Unwetter in der Ferne, welches mir die Weiterfahrt verwehrt und mich Schutz in einer Bushaltestelle finden lässt. Ich befinde mich hier direkt zwischen zwei Ortschaften und die Sonne ist vor einer halben Stunde
untergegangen. Das Bike stelle ich so hin, dass ich den Ponchow davor aufspannen kann. So schütze ich nicht nur meine Sachen, sondern auch mich, als ich auf der Bank dahinter einschlafe. In der Nacht werde ich kurz wach und blicke durchs gläserne Bushaltestellendach. Es ist still. Die Wolken haben sich verzogen und der Mond scheint (durch die Reflexion des Sonnenlichtes). Sterne. Ich lächle und denke mir, dass ich selbst dieses “Bett” mit keinem hätte tauschen wollen.
Dann endlich wieder ein weitesgehend sonniger Tag. Ich fahre und fahre. Eigentlich esse, trinke und fahre ich nur, bis ich an die Tore von Split gelange. Städte stinken immer so. Ob Leipzig, Prag, Klagenfurth, Triest, Rijeka oder Split, alle stinken fürchterlich nach Abgasen und Müll. Glücklicherweise sind wir so anpassungsfähig, dass unser Gehirn die Gerüche nach kurzer Zeit wegrationalisiert. Haha.
Es zieht mich deshalb auch nicht in die City zum Schlafen und ich sehe mich lieber etwas außerhalb um. Außerhalb von Split
bedeutet vorwiegend sehr hügelige Umgebung. Aber der Aufstieg lohnt sich, da ich einen gigantschen Spot mit Blick aufs Lichtermeer von Split habe. Es stört mich nicht, dass das Plätzchen direkt neben einem Friedhof ist. Ich verhalte mich auch extra leise, um die Totenruhe nicht zu stören.
Pirovac-Grebastica-Split, 163km
Total: 1541km
01.11.2018-04.11.2018
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6 comments

  1. Hallo Lukas, ich verfolge deine tolle Reise im Internet. Hast du eigentlich einen konkreten Reiseplan oder legst du ihn spontan fest ? Beispielsweise könntest du ja über Rumänien weiterfahren oder den Umweg über Albanien nehmen ! Drücke dir für die Reise weiterhin die Daumen. Du wirst ja sicherlich am Ende der Reise Vorträge halten, wo ich dich dann bestimmt kennenlernen werde. Ich komme übrigens fast aus deiner Nähe, nämlich Genthin. Also immer, ich weiß nicht bei Fahrradfahrern wie man sagt, also mein Spruch ” genügend Luft auf den Reifen”. Gruß PETER

    1. Hey Peter:)

      Vielen Dank für deine lieben Worte!
      Generell habe ich keine feste Route, aber bis nach Athen wollte ich mich an der Küste halten, weil ich das Meer liebe. Albanien ist aber deshalb auf der Liste:)

      Liebe Grüße nach Genthin

      1. Hallo Lukas, Split, Dubrovnik, da war ich auch schon mal…. aber mit dem Reisebus vor etlichen Jahren. Die Bergwand vor Split, die die Stadt vom Land her nicht eroberbar macht, aber auch generell das kristallklare Wasser und die tolle Landschaft in Kroatien habe ich noch in Erinnerung. Warte weiterhin gespannt auf deine Reiseberichte. Bei uns kehrt jetzt langsam der Winter ein. Dir weiterhin Glück bei der Reise und warme Nächte , in welchen du ohne Zelt schlafen kannst. Gruß PETER

        1. Hey Peter,
          schön wieder von dir zu hören und auch schön, dass du so viel Interesse hast!
          Ja, Kroatien war ein schönes Fleckchen Erde, was mir viel geben konnte.
          Mittlerweile bin ich schon in Albanien angekommen, wo es derzeit auch recht frisch wird. Trotzdem konnte ich heute Nacht noch hervorragend in einer Bushaltestelle schlafen. 🙂
          Die neuen Artikel sollten heute von der Redaktion freigegeben werden. ^^

          Liebe Grüße
          Lukas

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