Am Abend, als ich Split verlasse, habe ich noch mit dem Bassisten Kevin die Gassen unterhalten. Er kommt aus den Staaten und tourt seit zwei Monaten durch Europa. Größtenteils ist er in Griechenland unterwegs gewesen. Er beherrscht sein Instrument außerordentlich gut, wovon ihr euch im Clip eine Hörprobe verschaffen könnt. Nach unserer Session leeren wir noch ein, zwei Dosenbier am Hafen und erzählen über unsere Herkunft. Er hat Recht, als er sagt: “Es ist komisch, dass man das Gefühl hat, mit der derzeitigen politischen Situation des Herkunftslandes identifiziert zu werden, wenn man auf Fremde trifft.”. Er scherzt: “Yeah, seems like we guys want to destroy the planet.” So geht das noch ein Weilchen bis wir am Ende zu dem Ergebnis kommen, dass Menschen akzeptieren werden, dass sie mehr gemeinsam haben, als dass es sich lohnt für die Unterschiede zu kämpfen. Es ist schon recht spät. Kevin schläft in einer Couchsurfing-Unterknft und ich habe mir tagsüber ein Plätzchen erkundschaftet, was sich bei Nacht als ein Ort für liebende Pärchen entpuppt. Hier finde ich keine Ruhe und folge den Laternen auf dem Fußgängerweg so weit es geht ans Äußere der Stadt. Ich hab zwar Licht am Fahrrad, wie der Post SV Stendal, aber das wird sowohl hinten, als auch vorn mit Taschen bedeckt. Erst kurz, bevor die Bundesstraße nicht mehr beleuchtet ist, finde ich auf einem Parkplatz Unterschlupf. In einem Häuschen, wo die Einkaufswagen stehen, breite ich meine Isomatte auf dem Boden aus. Bis um 03:00Uhr geht das ganz gut, dann fängt der Regen an. Glückliccherweise werde ich vom Prasseln wach und kann vermeiden, dass das gebildete Rinnsal mich erreicht. Das Dach ist dicht, aber trotzdem wird der Boden allmählich geflutet. Ich stecke zwei Coins in die Einkaufswagen, um sie besser positionieren zu können und lege mich dann ins Hochbett aufs Wagengitter.
Der Regen verzieht sich am Morgen, kehrt jedoch am frühen Nachmittag zurück. Die dicken Wolken in der Ferne lassen auch ein Gewitter vermuten, weshalb ich mich kurzerhand für das “Travel and Youth-Hostel” entscheide, welches mit selbst gemaltem Schild am Straßenrand wirbt.  “Kann ja nicht so teuer sein, wenn es auf Reisende ausgerichtet ist“, denke ich und werde sogleich vom Betreiber an der Tür eines besseren belehrt. Sein Englisch, ist nicht hundertprozentig verstehbar, weshalb ich ihn zweimal nach dem Preis frage. 25 Taler. “Hm, so viel Toilettenpapaier kann ich gar nicht mitgehen lassen“, denke ich. Es donnert in der Ferne. Wind kommt auf. Zähne knirschend bezahle ich den Preis. Alles weitere an dem Hostel ist gut. Kein weiterer Gast, eine Dachterasse, Blick aufs Meer und Kaffeeflatrate.
Ich komme trotz Wind an den drei Folgetage recht gut voran. Drei Nächte verbringe ich in Bushaltestellen, die sich meistens am Rand kleiner Ortschaften befinden und eine Nacht an einer einsamen Lagune, die auf den Bildern besser beschrieben wird, als ich es könnte. Leider wird diese Nacht unter dem Strohschirm von Niesel in den Morgenstunden unterbrochen und ich flüchte mich unter einen Brückenbogen in der Gegend.
Das Wetter bleibt wechselhaft und herbstlich und ich nutze die aufkommende Melancholie jeden Abend, um in den einsamen Bushaltestellen einen Song zu schreiben, der von der Unterhaltung mit Kevin inspiriert ist. Aufgenommen ist er schon und folgt hier in Kürze. Jetzt stehe ich mit Blick auf Dubrovnik gerichtet und bin gespannt, was mich erwartet.
Dubrovnik, 213km
Total: 1754km
05.11.2018-11.11.2018
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