Die vier Tage Radelpause machen sich deutlich in der erholten Muskulatur bemerkbar. Fühlt sich an, wie neue Beine. Ein Hoch auf die Anpassung. Keine zwei Stunden, nachdem ich Dubrovnik verlassen habe, treffe ich auf den Reisenden Vladko. Wir begegnen uns auf einem Parkplatz an einer Hügelspitze. Der 52-Jährige stammt aus dem Norden Montenegros, ist DJ und bei seinen Ausflügen auch ausschließlich mit dem Velo unterwegs. Er spricht inhaltlich verständliches Englisch, aber sein Temperament spricht auch zusätzlich noch mit allen Gliedmaßen. Zuerst reden wir etwas über die Orte,  an denen wir schon gewesen sind und er empfiehlt mir einige “Most beautiful places in the world”, aber dann richtet sich unser Augenmerk aufs Fahrradfahren. Treffe ich auf Menschen, von denen ich glaube mehr als nur Plaudergeplänkel zu erfahren, stelle ich lieber Fragen und höre zu, als das ich mit meinem Standpunkt voranpresche. Generell, vorausgesetzt es ist kein Wein im Spiel, gebe ich mich in einer Unterhaltung sowieso mit einem kleineren Redeanteil zufrieden. Vladko ist voller Emotionen, als er mit seinem Zeigefinger auf unsere bepackten Räder deutet, tief durch die Nase einatmet und sagt: “Das Lukas! Das ist das Geheimnis und keiner weiß es!”. Er lacht. “Was meinst du?”, frage ich, obwohl ich mittlerweile natürlich auch um den Segen des Fahrradreisenden Bescheid weiß. Er fährt fort: “Diese kleine, wertvolle Erfindung hat mich so fit gehalten, hat mich so stark im Kopf gemacht und hat mir in den letzten zehn Jahren die Möglichkeit gegeben, jedes Land, was ich bereiste, ganz besonders und intensiv wahrzunehmen.” Ich bestätige ihn. Er holt noch einmal tief Luft, steht auf und sagt mit lauter, energischer Stimme, begleitet von einer eindeutigen Körperbewegung: “This little thing, Lukas! This feels like f**king the capitalism!”. Er schlägt sich auf den Oberschenkel und lacht bösartig. Er ist sehr unterhaltsam und trotz seines limitierten Wortschatzes so gesprächig, dass ich ihn nach einer knappen Stunde doch etwas bremsen muss. Trotzdem, eine sehr nette Begegnung. Mein Weg führt mich heute noch über die Grenze nach Montenegro, wo ich in einem kleinen Küstenort ein Plätzchen unter der Meerpromenade finde.

Küstenort in Montenegro, 50km x
Total: 1804km
14.11.2018

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