Die ersten 10 Tage eines Aufenthaltes in Athen verbringe ich im günstigsten Hostel der Stadt. In 3 Doppelstockbetten haben hier maximal 6 Leute pro Zimmer Platz. Insgesamt gibt es 3 Zimmer dieser Art und 2 weitere Privatzimmer. Die Akropolis ist nur 10 Gehminuten von hier entfernt, die Bäder sind sauber und das Personal jung und freundlich. Bei meiner Ankunft lerne ich Merlin aus Deutschland und Tanja aus Mexico auf der Dachterasse kennen. Merlin arbeitet hier im Hostel im Rahmen eines Workaways. Das bedeutet, dass er Unterkunft und Essen gestellt bekommt und im Gegenzug maximal 5 Stunden pro Tag im Hostel hilft. Tanja ist gerade erst in Athen gelandet und hat eine 50 tägige Reise mit dem Zug quer über den europäischen Kontinent vor sich. Wir verstehen uns ganz gut und ziehen am Folgetag gemeinsam um die Häuser. Merlin ist schon etwas länger hier und bringt uns in den krassesten Undergroundclub der Stadt. Die gesamte Räumlichkeit ist nicht größer, als ein durchschnittliches Wohnzimmer, die Wände sind schwarz gestrichen, es ist dunkel und der DJ schmeißt mit Klängen um sich, die düsterer nicht sein könnten. Mir gefällt die erste Partynacht auf meiner Reise und ich bin in guter Gesellschaft. Die Tage, in denen ich auf meinen geliebten Bruder warte, verbringe ich mit dem Erkunden der Stadt und Überlegungen, wie die Reise weiter geht. So richtig weiß ich nicht weiter. Mich zieht von hier irgendwie nichts in die Türkei. Temperaturmäßig wäre es zwar auszuhalten, aber ich merke, dass ich beispielsweise lieber Gitarre spiele oder schreibe, wenn meine Finger warm sind. Es geht mir ja beim Reisen nicht ausschließlich um eine Fortbewegung im Raum…Ich beschließe die Situation mit meinen bevorstehenden Besuchern zu bequatschen. Mein großartiger Bruder, mühevoller Homepagebetreiber und Socialmediabeauftragter von PedalThisWorld landet am 27. Dezember in der griechischen Hauptstadt. Für die Dauer seines Aufenthaltes, ziehen wir in eine Airbnb-Unterkunft, um etwas unter uns sein zu können. Da wir einige Hauptattraktionen der Stadt schon einmal vor ein paar Jahren besichtigt haben, beschließen wir, ein zweites Fahrrad zu mieten, damit wir das Ausmaß der Metropole von einem der angrenzenden Berge festhalten können. Athen mit dem Fahrrad zu besichtigen ist sehr mutig, da die Stadt nicht für Zweiräder ausgelegt ist und generell viel Verkehr herscht. Irgendwie schlängeln wir uns dennoch durch die Straßen und gelangen unversehrt an unsere Ziele. Dank guter finanzieller Unterstützung von Dir, werter Blogleser, gönnen wir uns leckere, griechische Spezialitäten zum Abendbrot und verbringen 3 erholsame Brudertage. Danke für deinen Besuch Maggi!

Am Tag seiner Abreise, treffen dann meine Freunde Marlen und Carsten aus der Heimat ein. Auch die Beiden scheuen keine Mühe, um die Instagram- und Facebookposts von PedalThisWorld vorzubereiten und zu veröffentlichen. Vielen Dank! Das Pärchen ist den weiten Weg mit dem Auto zu mir gefahren und auch für die Dauer ihres Aufenthaltes kommen wir in einer Airbnb-Unterkunft unter. Wir besichtigen das Museum, die Akropolis und die engen, urigen Marktgassen Athens. Außerdem begehen wir zünftig das neue Jahr und feiern die ganze Nacht. Auch mit ihnen bespreche ich meine weitere Reise, komme aber zu keinem klaren Ergebnis. Warum fällt es mir so schwer eine Entscheidung über den kommenden Verlauf zu fällen? Ist das vielleicht meine Antwort? Sollte ich bleiben, bis ich Klarheit erlange? In erster Linie möchte ich ja mein Buch fertigstellen. Vielleicht sollte ich das hier tun. Ich treffe keine Entscheidung. Am letzten gemeinsamen Tag spazieren wir noch einmal durch die Gassen und kehren dann zum Auto zurück. Was wir dann vorfinden, soll mir die Entscheidung abnehmen. Das hintere Fenster des Fahrzeugs ist eingeschlagen und das einzige, was die Diebe schnell erreichen konnten, waren 2 meiner Fahrradtaschen. Nichts anderes fehlt. In einer der Taschen waren nur Lebensmittel, in der anderen jedoch mein gesamter Elektronikkram, Werkzeug und andere Kleinigkeiten, die eine für die Weiterfahrt unerlässlig sind. Der materielle Verlust trifft mich nicht sonderlich, jedoch befindet sich unter dem Diebesgut auch mein Tablet, auf dem sich sämtliche Seiten an Schriften und Aufzeichnungen befinden. Natürlich hielt ich es in der Vergangenheit auch nicht für nötig, ein Online Backup durchzuführen. Ich fühle mich total leer und bin fassungslos über die Tat der Diebe. Hinzu kommt, dass die Tasche so vollgepackt war, dass ich nicht einmal genau weiß, was alles gestohlen wurde… Wir rufen die Polizei, obwohl ich kein Freund exekutiven Gewalt bin und ich aus Erfahrung weiß, dass die Chancen gleich Null sind, dass ich etwas von meinem Zeug wiedersehe. Die Boys in Uniform treffen ein und nehmen das Geschehen auf, damit ein Dokument für die Versicherung erstellt werden kann, um wenigstens den Schaden am Auto erstatten lassen zu können. Für besagtes Dokument sollen Carsten und ich noch aufs Polizeirevier. Marlen wartet derweil am Auto, damit nicht noch andere Langfinger ins offene Auto greifen und um auf den ADAC zu warten. Vom ADAC erhoffen wir uns ein Provisorium für das Fenster. Leider sind die beiden Beamten ziemlich unfähig und fahren uns aufs falsche Revier. Uns rennt die Zeit davon, da Carsten und Marlen bereits eine Fähre für ihren Rückweg gebucht haben. Ohne Dokument kehren wir zum Auto zurück. Der ADAC ist eingetroffen. Dummerweise ohne Scheibenersatz. Immerhin kann er ein Dokument für die Versicherung ausstellen und wir “reparieren” eigenständig mit Panzertape.

Ich kann so nicht weitermachen und bin komplett Motivationslos. Das ist dann wohl ein Zeichen gewesen. Wir steigen ins Auto, programmieren das Navigationssystem und starten das Auto. Dann geschieht das Unmögliche. Mein Bruder ruft mich an und berichtet mir, dass sich ein griechisches Pärchen über das Kontaktformular der Homepage bei ihm gemeldet hat und meine Taschen gefunden hat. Vollständig! Wir kontaktieren sie und 10 Minuten später treffen sie mit all meinem Zeug bei mir ein. Sie haben meinen Namen im Tablet gefunden und mit Google alles durchsucht, um ich ausfindig zu machen. Unfassabar! Die dreisten Diebe haben wohl zuerst die Tasche mit den Lebensmitteln geöffnet und dann das Interesse an der Beute verloren. Jetzt bin ich mir sicher. Ich bleibe. Wir verabschieden uns und ich kehre zurück in das Hostel, wo ich schon die ersten Tage verbracht habe. In den folgenden 3 Wochen im Hostel verbringe ich einen großen Teil des Tages mit philosophischen Schriften und knüpfe neue Kontakte. Ich lerne Jakub aus Polen und Rebekah aus den USA kennen und gemeinsam schmieden wir Pläne für den weiteren Reiseverlauf. Jakub ist von Polen bis Griechenland getrampt und ein total freundlicher Typ. Rebekah ist vor einiger Zeit nach Europa geflogen, umhergereist und weiß nun auch nicht so richtig weiter. Die Türkei kommt für uns alle nicht in Frage.

Wir wollen Wärme und Abenteuer. Afrika wir kommen!

Athen

17.12.2018 – 23.01.2019


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