Noch in Athen versuche ich alles, um mein geliebtes Fahrrad irgendwie zurück nach Deutschland zu verfrachten. Leider stehen die Transportkosten dafür aber in keiner Relation zum Kaufpreis. Während meines Aufenthaltes im Hostel, knüpfe ich aber nicht nur gute Kontakte zu den Gästen, sondern auch eine gute Bindung zu der jungen Hostelbesitzerin. Dadurch habe ich einen sicheren Stellplatz für mein Bike in ihrer Wohnung bekommen. Dann geht es los. Wir fliegen in die Hauptstadt Ägyptens. Kairo. Welch riesige Stadt. Chaotisch, komplett überfüllt und bemitleidenswerte Armut an jeder Ecke. Sämtliche Kultur ist kaum mit der westlichen Welt zu vergleichen. Ein bisschen überfordernd und dennoch extrem erfrischend. Na gut, bis auf die Großstadtluft. Diese scheint weltweit ein großes Problem zu sein. Bei Nacht sieht man im Licht der Straßenlaternen den Smogdunst über der Stadt hängen. 

Unser erster Kontakt ist Abdallah. Wir kontaktieren ihn über Couchsurfing (eine global genutzte App, in der Menschen ihre Unterkunft gratis zu Verfügung stellen, um Leute aus aller Welt kennenzulernen). Abdallah holt uns mit seinem Auto vom Flughafen ab und bringt uns zu seinem Heim. Der Verkehr hier ist enorm und das Gewusel der Fahrzeuge wird seit gerade einmal 10 Jahren mit Ampeln geregelt. Lange nicht jede Kreuzung verfügt über Ampelanlagen und trotzdem gelingt es den Autofahrern unfallfrei an ihr Ziel zu gelangen. Anders als beispielsweise ein Berliner, benutzen sie ihre Hupen eher als notwendiges Kommunikationmittel, anstatt anderen Verkehrsteilnehmern ihre Wut zum Ausdruck zu bringen. Fast organisch, wie die Transmitter eines Organismusses, schieben sich die alten Karossen durch die Straßen. Hier und da ein Esel, Pferde, viele Mopeds, herrenlose Hunde, Katzen und Ziegen füllen die Lücken, wo gerade mal kein Auto fährt. Will man die Straße als Fußgänger überqueren, arbeitet man sich von Fahrspur zu Fahrspur, wobei die weißen Linien auf dem Asphalt größtenteils ignoriert werden. Beinah standartmäßig fahren auf zweispurigen Straßen 4 Autos nebeneinader. Wild. Fast 20 Millionen Einwohner zählt diese Stadt. Eindrucksvoll, aber trocken, chaotisch und schmutzig. Eindrucksvoll ist aber auch, dass jedes Gotteshaus vertreten ist und die Leute ihre Religion seit Jahren nebeneinander ausüben. Durchaus sitzen in den kleinen, rostigen, vollgestopften Toyotabussen Personen jeder Konfession und unterhalten sich.

Unser zweiter Host in der Stadt, den wir auch über Couchsurfing ausfindig machen, heißt Mustafa. Er lebt mit seiner Mum in einem mehrstöckigen Haus in einer sehr ärmlichen Gegend in der Perepherie der Stadt. Sie sind Muslime und zusammen mit Mustafa besichtigen wir die älteste Moschee der Stadt. Wir kommen genau zum Mittagsgebet dort an und beobachten  interessiert die Zeremonie. Die Vibes fühlen sich sehr heilig an und neben dem gesungenem Gebet herrscht absolute Ruhe. Am Abend nutzen wir auch wieder das Couchsurfingportal, um uns mit anderen Reisenden und Ansässigen zu treffen, auszutauschen und zu connecten. Emma, ein nettes Mädchen aus Australien, Jenny aus Kenia und Joe, Ahmed, und Mo aus Ägypten stoßen in einer Bar zu uns und wir verbringen einen witzigen Abend. Nach insgesamt 5 Tagen in der Haupstadt Ägyptens soll es nun weiter gehen. Unseren ursprünglichen Plan von hier zu trampen, werfen wir über den Haufen, da erstens das Visum für den Sudan teuer ist und uns auch aufgrund der politischen Unruhen  stark davon abgeraten wird. Unser nächstes Ziel heißt also Addis Abeba, die Hauptstadt Äthiopiens. 


Kairo

23.01.2019-27.01.2019

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