Schon beim Landeanflug am Morgen über der Stadt, sieht man die verschiedenen Wohnsituationen der Menschen. Im Zentrum werden moderne Gebäude errichtet. Meistens Banken oder Bürogebäude. Rundherum leben die Menschen in primitiven Flachbauten aus Stein, Holz und Lehm, die meistens von hohen Mauern mit Stacheldraht oder Scherben eingedämmt sind. Noch weiter vom Zentrum entfernt, gibt es Nachbarschaften die mit Wellblechen umzäunt sind. Oft teilen sich mehrere Familien ein Grundstück. So auch bei Demeke, unserer ersten Anlaufstelle in Addis. Auch ihn kontaktieren wir über Couchsurfing. 3 Familien leben auf dem Hof zusammen. Jede Familie hat ein Zimmer zur Verfügung, gekocht wird über dem offenem Feuer, die Kinder spielen mit Bierdeckeln und Elektrizität und fließend Wasser funktionieren nur zeitweise. Religion spielt eine fundamentale Rolle im Alltag der Menschen. Viele sind katholisch.

Demekes Mum reicht uns das Nationalessen “Injera”. Dies ist ein sehr dünnes Fladenbrot aus Hirse, Mehl, Hefe und Wasser, das mit unterschiedlichen Beilagen, wie Linsen, Bohnen, Karotten oder anderem Gemüse serviert wird. Zum Nachtisch gibt es Papaya-Avocado Salat. Eine Avocado kostet 15ct. Generell wird vornehmlich vegetarisch gegessen. Demeke führt uns durch die Stadt, wir gehen ins Museum und trinken ausgezeichneten, traditionellen Kaffee in einem der vielen Straßenstände, die aus einem Holzgerüst und Plane bestehen. Nach einigen Rücksprachen und weiterer Recherche im Internet, entschließen wir uns nun doch zu einer Gelbfieberimpfung. Wie alle wichtigen Gebäude ist auch das Krankenhaus mit bewaffneten Wachen gesichert. Beim Betreten des Geländes werden wir abgetastet. Sie weisen uns den Weg zu einem Gebäude. Darin ist ein Zimmer, in dem Zimmer stehen knapp 30 Stühle, viele Leute sind hier, die Tür zum Behandlungszimmer ist geöffnet und eine Dame sitzt darin an ihrem Schreibtisch. Neben ihr ein Karton mit den vakuumverpackten Spritzen. Alles, was dann geschieht, ist Massenabfertigung. Alle 20 Sekunden wechselt der nächste Patient ins Behandlungszimmer, bekommt seine Impfung und einen Stempel in den Impfpass, bezahlt die Impfgebühr (3USD) und geht.

Demekes jüngerer Bruder hat am Tag unserer Abreise Geburtstag. Nur zu solchen Anlässen wird auch mal mit Bier angestoßen. Der Kleine liebt Fußball, hat aber nur einen kaputten Ball. Es liegt nah, dass wir zum Dank für die Gastfreundschaft zusammenlegen und dem 13-Jährigen einen neuen Fußball besorgen. Den anderen Kindern der Familien des Hofes überlasse ich meine Tennisbälle, die ich eigentlich zum Jonglieren mitgenommen habe. 

Dann geht es zum nächsten Host in der Stadt. Wieder über Couchsurfing. Lil Morgan, wie er sich nennt, ist ein cooler Musiker und beherbergt ständig irgendwelche Leute aus aller Welt. Auch er hat nur ein Zimmer zur Verfügung, teilt es aber gern mit uns. Neben der Produktion heimischer Musik, verdient er  sein Geld hauptsächlich mit dem Vertrieb von Filmen und Serien. Die Leute kommen meistens mit einem USB Stick zu seinem Straßenladen, der gerade groß genug ist, um einen Schreibtisch mit Computer hineinzustellen. Sein Geschäftsmodell funktioniert recht gut, da Internetzugang ein kleiner Luxus ist und Online-Streaming unmöglich. Mit einigen seiner Freunde haben sie ein weiteres Zimmer in der Hood gemietet und ein recht funktionsfähiges Musik-Studio eingerichtet. Wir musizieren zusammen und die Jungs rappen auf Amharisch, ihrer Heimatsprache, auf meine Gitarrenklänge. 

Als Jacob und ich an einem Abend noch etwas später eine Zigarette vor der Tür rauchen, kommen 4 schwarze Männer mit Stöckern und Knüppeln bewaffnet auf uns zu. Die Straße ist leer. Sie bleiben stehen und gucken uns an. Tuscheln irgendwas und sagen uns dann: “Wenn es dunkel wird, sollte man nicht mehr allein auf die Straße gehen”. Sie sind nicht die ersten, die uns diese Warnung geben. Wir bieten der Crew einen Glimmstengel an und unterhalten uns mit ihnen, warum es denn so gefährlich sei, da tagsüber alles in bester Ordnung scheint. Es hängt wohl stark mit der konkreten Gegend zusammen, wo man sich nachts nicht aufhalten solle. Banden streifen um die Häuser und üben Kleindelikte, wie Diebstahl, aus. Sie sind eine Art selbsternannte Security, die in der Dunkelheit in der Nachbarschaft patroulliert und aufpasst. Nach den sehr netten Begegnungen und großartigen Hosts Demeke und Lil Morgan verabschieden wir uns von der Stadt Addis Abeba und stürzen uns nun endlich ins Trampabenteuer Richtung Tansania.


Addis Abeba

27.01.2019-31.01.2019 

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